Feuilleton.

Keine Lust auf Training?

In unserem Feuilleton kannst Du laufnah Deine Zeit verbringen.

Doch sei Dir gesagt:
"Sobald man sein Tempo gefunden hat, ergibt sich der Rest ganz automatisch."

Haruki Murakami

"Einmal aufstehen aus dem Sessel, die Salzstangen beiseite legen, die Bierflasche in den Kühlschrank, den Fernseher aus und raus vor die Tür an die Luft und einfach laufen, freilaufen, gesundlaufen, glücklichlaufen."

Gunter Gabriel

"Sport in seiner letzten Konsequenz (ist) immer ein Wettkampf des Athleten gegen sich selbst. Schlug man sich selber, so vermochte man immer noch aufrechten Ganges von dannen zu gehen, ganz gleich, als wievielter man das Ziel erreicht hatte."

Alexander "Doc" Cole in
"Flanagan's Race"
von Tom McNab


Zeit ist immer subjektiv

wer sich trotzdem vergleichen mag, findet untenstehend Links zu Laufveranstaltungen:


Läufe

Wer auf der Suche nach einem Lauf ist, sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dabei darf man getrost davon ausgehen, dass bei rund 190 Marathonläufen - alleine in Deutschland - die Auswahl ausreichend ist. Wer sich davon überzeugen möchte, der findet hier

(-) die umfangreichste Ultra-Marathon-Liste im Internet,

(-) Marathon-Läufe im deutschsprachigen Raum und

(-) Laufveranstaltungen in Württemberg.


Gesundheit

Dr. Dieter Lagerström, von der Deutschen Sporthochschule Köln, äußerte sich in der Vorbereitung zum TransEurope-FootRace 1993, wo Tagesetappen bis zu 100 km geplant waren, wie folgt: "Das ist nur eine Frage der systematisch- en Vorbereitung" und weiter "Hirten im afrikanischen Hochland laufen jeden Tag 60 bis 80 Kilometer."
Auch der beliebte m4y-Autor Daniel Steiner weist in einem seiner Berichte darauf hin, dass sein Urgroßvater noch im Alter von 90 Jahren täglich 20 km zu Fuß zurück legte, um seine Weidezäune zu kontrollieren.


Zitat

"Der Athlet repräsentiert den Menschen am Rande seiner Leistungsgrenzen und in einem Bereich, in den nur sehr wenige Menschen schauen, geschweige denn Bewohnen. Wir identifizieren uns mit dem Athleten, weil wir dies erspüren, erfühlen, dass er einer der Wenigen ist, die bis nahe an das Maximum ihres persönlichen Potenzials gehen, während die meisten von uns unser Leben zubringen müssen, ohne überhaupt zu wissen, dass ein solches Potential überhaupt in ihnen existiert."
Der Journalist Carl C. Liebnitz,
in "Flanagan's Race"
von Tom McNab.


Edward Payson Weston

In den Jahren 1909 und 1910 durchquerte Edward Payson Weston die USA. Zunächst in 104 Tagen und 7 Stunden bei starkem Gegenwind von Ost nach West.

Im darauffolgenden Jahr versuchte er sich in entgegengesetzter Richtung und benötigte für die 5811 km von Santa Monica nach New York 76 Tage und 22 Stunden.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass Weston zu diesem Zeitpunkt 71 Jahre alt war. Er war kein unbekannter. Bereits in den 1880er Jahren war er als Sechstagegeher international bekannt.

Weston starb 1929 im Alter von 90 Jahren.


Keizo Yamada

Im Jahr 2009 kündigte der Japaner Keizo Yamada nach seinem Start beim Boston-Marathon, den er in 6 Stunden 16 Minuten und 56 Sekunden finishte, an, zukünftig keine Marathonläufe mehr zu bestreiten. Wenn wieder das Laufen-schadet-den-Gelenken-Schwein durchs Dorf getrieben wird, sollte man an Keizo Yamada denken.

Seine größten Erfolge: 26. Platz bei den Olympischen Spielen im Marathon in einer Zeit von 2:38:11 Stunden. Sieger im Boston-Marathon in 2:18:51 Stunden. Sieger im Fukuoka-Marathon.

Doch die Erfolge liegen eine ganze Weile zurück: Seine Olympischen Spiele fanden 1952 in Helsinki statt, 1953 gewann er Boston und 1956 Fukuoka. Keizo Yamada ist im Jahr 1927 geboren und läuft bis heute täglich 20 Kilometer - natürlich in seinem Tempo.

Laufen schadet den Gelenken!
Boah Ey Alder - könnte der mit 85 noch körperlich gesund sein, wenn er auf so ungesunde Sportarten zeitlebens verzichtet hätte!

Doch Spaß beiseite. Yamada ist längst kein Einzelfall wie ein Blick in die Ergebnislisten der verschiedensten Laufwettbewerbe beweist. Ich selbst habe bei meiner Teilnahme am Saarschleife-Marathon Karl-Heinz Müller kennengelernt, Jahrgang 1940, er läuft, seit er in Rente gegangen ist. Sein Arzt lies im die Wahl zwischen Hüft-OP und mehr Bewegung.

Müller ist die 42,195 Kilometer entlang der Saar locker gelaufen und hat den Marathon erfolgreich, in nur knapp über 4 Stunden, beendet.


Zaubermittel

"Wenn es irgendein Zaubermittel gibt, das die Menschen gesund macht, dann ist es das Laufen" sagt Prof. Dr. Daniel Lieberman von der Harvard University.


Jack Kirk

Am 29. Januar 2007 verstarb, der in den Vereinigten Staaten von Amerika als "Dipsea Demon" bekannte Trail-Läufer, Jack Kirk. Immer wieder wies er in Interviews darauf hin, dass man nicht aufhören würde zu laufen, weil man alt sei, sondern man werde alt, weil man aufhören würde zu laufen. Der Dipsea Demon nahm zwischen 1930 und 2002 an allen 67 durchgeführten Dipsea-Rennen teil und startete zuletzt im Jahre 2003 im zarten Alter von 96 Jahren auf der schweren 12 km Trailstrecke. Er konnte aber, nachdem er den höchsten Punkt der Strecke
- unter anderem nach 688 bewältigten Treppenstufen - erreicht hatte, sein 68. Rennen in Folge nicht erfolgreich beenden.
Kirk wurde 100 Jahre alt.


Finish von Tom McNab

Das Buch des Schotten Tom McNab, Autor des Bestsellers "Flanagan's Race" ist im Jahre 2010 im Aufbau-Verlag erschienen.

Aus dem Klappentext:
"Leichtfüßig wie Butch Cassidy und Sundance Kid laufen Billy Joe Speed und Buck Miller jeden Gegner in Grund und Boden. Sie leben von ihrer Geschwindigkeit weniger der ihrer Pistolen, sondern der ihrer Füße. An der Ziellinie warten auf die schnellen Männer nicht nur Preisgelder und schöne Frauen, sondern auch Menschen, die ihnen nach dem Leben trachten. Angestachelt und geschützt werden sie von ihrem Trainer, Mentor und Manager, dem legendären Moriarty, Besitzer des "Theaters des Westens". Dieser träumt von einer sagenhaften Show einem Wettlauf, in dem es um alles geht. Tom McNab entführt seine Leser in eine Welt voller Entbehrungen und Hoffnungen, Niederlagen und Triumphe. Er schildert die Faszination des amerikanischen Westens wie des Laufens in allen Facetten."

Im Gegensatz zu Flanagan's Race empfehlen wir das Buch uneingeschränkt zur Lektüre. Spätfolgen wie bei erstgenannten Buch sind nicht zu erwarten.


Blasenschutz

Wer gedient hat weiß: Den langen Marsch beim Bund tritt man mit bereits getragenen und ungewaschenen Socken an. Was für die Grundausbildung recht ist, kann für den Marathonläufer ja nicht schlecht sein.


Menson Ernst

"Bewegung ist das Leben. Stillstand der Tod."
Das sagte schon der norwegische Läufer Menson Ernst (1795-1843).


Der längste Marathon

Ein Marathon ist immer 42,195 km lang. Darüber hinaus sprechen wir von einem Ultralauf. Von daher ist die Überschrift nicht ganz richtig. Am längsten gebraucht hat aber für die olympische Strecke sicherlich der Japaner Shizo Kanaguri. Er beendete im Jahr 1967 als 76-jähriger nach 54 Jahren 8 Monaten 6 Tagen und 32 Minuten und 20,3 Sekunden seinen im Rahmen der olympischen Spiele in Stockholm am 14. Juli 1912 begonnenen Marathon.


Barfuß

"Wir absolvieren das ganze Training in der Schule barfuß. In den westlichen Ländern ziehen wir den Kindern Schuhe an, noch bevor sie gehen können. Was bringen wir ihnen damit bei? Wir sagen ihnen damit, dass der Boden gefährlich ist, dass sie vor ihm geschützt werden müssen. Aber die kenianischen Kinder spüren den Boden, haben also eine bessere Beziehung zu ihm. Sie lernen ihren Fuß beim Laufen vorsichtig aufzusetzen, deshalb verletzen sie sich nicht. Sie lernen, sanft und leicht zu landen, und gleiten eher über die Erde, anstatt auf sie einzuhämmern"
so zitiert A. Finn die irische Trainerlegende Colm O'Connell .

Adharanand Finn
Im Land des Laufens
- Meine Zeit in Kenia
gebunden, 315 Seiten
Piper Verlag München (2012)
ISBN 13: 978-3-89029-408-7
22,99 EUR


Laufen ein Besäufnis

Ein Rennen sei so etwas wie ein umgekehrtes Besäufnis, meint eine Frau zu Adharanand Finn nach einem Lauf. Wenn man sich betrinkt, fühlt man sich zuerst großartig, aber später furchtbar. Beim Laufen fühlt man sich zuerst furchtbar, aber wenn man erst einmal das Ziel erreicht hat, fühlt man sich super. Klingt so, als sei Laufen die bessere Entscheidung. Aus "Im Land des Laufens" von Adharand Finn.


Boston-Marathon

Am 19. April 1897 fand durch die Unterstützung des Geschäftsmannes Herbert H. Holton der erste Boston-Marathon statt. Damit kann man getrost Boston als die Mutter aller Volks-Marathons bezeichnen.


Gunter Gabriel

"Hey Boss - ich brauch' mehr Geld" stellt Euch doch mal Gunters Stimme vor, wenn er selbst sagt: "Donnerwetter, alter Junge - Klasse - mein erster Marathon - mehr wollte ich doch nicht - nur einmal, einmal New York laufen - den größten Marathon der Welt - einmal aufstehen aus dem Sessel, die Salzstangen beiseite legen, die Bierflasche in den Kühlschrank, den Fernseher aus und raus vor die Tür an die Luft und einfach laufen, freilaufen, gesundlaufen, glücklichlaufen."
So schilderte er im Buch "Mein erster Marathon" wie er sich 1983 im Ziel des New York Marathons fühlte.


Haruki Murakami

"Ich hatte noch 40 Kilometer vor mir. Während ich lief, fingen der Reihe nach verschiedene Teile meines Körpers an zu schmerzen. Zuerst tat mein rechter Oberschenkel höllisch weh, dann zog der Schmerz ins rechte Knie, dann in den linken Oberschenkel und so weiter... Nacheinander erhoben sich alle meine Körperteile gegen mich und beklagten sich laut über ihre jeweiligen Schmerzen.. Sie schrien, sie zeterten, sie protestierten, sie jammerten und drohten mit Streik. Auch für sie war ein 100 Kilometer Lauf eine unbekannte Erfahrung, und jeder hatte eine andere Ausrede."
So schreibt der Franz-Kafka-Preisträger Haruki Murakami über seine Erfahrungen über das Laufen.

Haruki Murakami
Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
gebunden, 166 Seiten
Dumont-Buchverlag Köln (2008)
ISBN 13: 978-3-8321-8064-5


Distance Running

So wie sich Sportler zu Vereinen zusammenfinden, bündeln auch die Veranstalter ihr Wissen in der Association of International Marathons and Distance Races - kurz AIMS - in der Regel natürlich eher größere Veranstalter.

Da wäre es doch interessant zu Wissen, wer alles in der AIMS Mitglied ist! Kein Problem. Im viermal jährlich erscheinenden Magazin Distance Running finden sich stets auf den letzten Seiten die aktualisierte Mitgliedsliste und ein Jahresplaner über alle anstehenden Termine.

Das beste daran: Distance Running ist kostenlos. Die Printversion liegt bei den Veranstaltungen der AIMS- Mitglieder aus. Die aktuelle Online-Version ist hier abrufbar.

Auch ein umfassendes Archiv älterer Ausgaben ist vorhanden.

Distance Running erscheint ausschließlich in englischer Sprache.


Keine Spuren

Für mich geht es darum, im Einklang mit der Natur zu laufen. (...) Ich bin bemüht, keine Spuren auf dem Untergrund zu hinterlassen und mich so leise wie möglich fortzubewegen. Ich laufe, als schwebte ich über den Weg, sodass meine Schuhe, die über die Steine streifen, kaum den Boden berühren.
Kilian Jornet in Lauf oder Stirb - Das Leben eines bedingungslosen Läufers

Kilian Jornet
Lauf oder Stirb
Taschenbuch, 220 Seiten
Malik (2013)
ISBN 13: 978-3-89029-764-4


Zitat

"In den alten Zeiten war der einzige Maßstab für Ausdauer, eine Antilope zu fangen."
Mike Boit, 1972 olympischer Bronzemedaillengewinner im 800-m-Lauf


High-Tech-Schuhe

"Der erste Testlauf legt die Vermutung nahe, dass die Unterschiede zwischen Laufschuhen vor allem im Kopf existieren.
Lahme Schenkel werden auch mit 200-Euro-Tretern nicht schneller.
Und flinke Beine nicht langsamer, wenn man ihnen Streifen vom Autoreifen mit Weckgummis an die Füße flanscht."
Hajo Schumacher aka Achim Achilles in "Keine Gnade für die Wade"

Achim Achilles
Keine Gnade für die Wade
Taschenbuch, 208 Seiten
Heyne (2013)
ISBN 13: 978-3-453-60288-5


Frank Shorter

Von dem in München geborenen US-Amerikaner Frank Shorter stammt die Frage: "Hätte dieser alte Grieche nicht schon nach 20 Kilometern tot umfallen können?"
Shorter ist nicht irgendwer. Er gewann in seiner Geburtsstadt München Olympisches Gold im Marathon.


Marathon-Mönche

Die Marathon-Mönche vom Hiei-Berg in Japan bewältigen auf der Suche nach Erleuchtung 1000 Ultra-Marathonläufe innerhalb von 1000 Tagen.

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